[Interview] SERENITY

Serenity sind mittlerweile zur Vorzeigeband Österreichs geworden, was die Metalszene betrifft. Mit „Fallen Sanctuary“ konnten die Jungs ihre Fangemeinde deutlich erweitern und nach den doch meist sehr positiven Kritiken war die Anspannung natürlich besonders groß, als das neue Album „Death & Legacy“ angekündigt wurde. Hierzu haben wir die Band, genauer: Tom Buchberger, Komponist & Gitarrist, kurzerhand einfach mal ein wenig ausgefragt.
Euer neues Album „Death & Legacy“ steht in den Startlöchern. Wie kamt ihr auf die Idee, ein Konzeptalbum zu machen, welches besonderen Wert auf historische Ereignisse bzw. Personen legt?
Die Idee eines Konzeptalbums stand kurz nach dem Release von „Fallen Sanctuary“. Die Festlegung auf das generell Historische und später die finalen Persönlichkeiten erfolgte erst etwas später nach einer genaueren Recherche. Die Idee stammt ursprünglich von Georg, der in Innsbruck Geschichte studiert hat und somit etwas vorbelastet ist. Aber auch Mario und ich waren von Anfang an davon begeistert und zusammen haben wir an der Recherche gearbeitet, wobei Mario am Ende das Gelernte in Songtexte fasste.
Was haltet ihr grundsätzlich von Konzeptalben und gestaltet sich der Songwriting-Prozess bei Konzepten schwieriger als bei herkömmlichen Songs, wo die Herangehensweise meist spontan ist?
Wir schreiben nach wie vor recht spontan und anhand der Grundstrukturen bzw. Grundideen können wir recht schnell feststellen, ob der Song zum Konzept und einer dazugehörigen Persönlichkeit passt oder eben nicht. Und manchmal wird der Song erst auf die Person zugeschnitten. Wir haben somit unsere eigene Herangehensweise. Das Konzept mit Galileo Galilei, Francis Drake, Albrecht Dürer und co erlaubt es uns dennoch jeden Song für sich zu sehen, da es keinen durchgehenden roten Faden gibt. Es kommt also wirklich auf die Art des Konzeptes an, ob die Arbeit daran schwieriger oder sogar leicht wird. Für Mario war es bei den Lyrics z.B. eine Erleichterung, da die Geschehnisse ja vorgegeben waren.

Ihr habt keine Kosten und Mühen gescheut, denn auf „Death & Legacy“ werdet ihr von gleich 3 Gastsängerinnen unterstützt, die auch einen relativ hohen Bekanntheitsgrad genießen. War es einfach, diese 3 Mädels für eure Aufnahmen zu gewinnen und wie kam das allgemein zustande?
Bereits auf „Fallen Sanctuary“ hatten wir Unterstützung durch eine Gastsängerin. Dies wollten wir bei „Death & Legacy“ etwas forcieren und haben uns spontan für Charlotte Wessels (DELAIN), Aylin (SIRENIA) und Amanda Somerville (AVANTASIA, KISKE, EPICA,…) entschieden, da sie stimmlich perfekt mit Georg harmonieren und schlicht und einfach toll singen. Charlotte kannten wir ja bereits von unserer gemeinsamen Tour mit KAMELOT, Aylin ist SERENITY Fan der ersten Stunde (war somit leicht zu begeistern) und Amanda konnten wir ebenfalls auf einer früheren KAMELOT Tour kennenlernen. Die Arbeiten erfolgten dann sehr unkompliziert über das www, bei einem Aufenthalt in Tirol und den Dreamsound Studios (München) bzw. bei unserem Produzenten Oliver Philipps.
Die orchestralen Parts wurden im Vergleich zu „Fallen Sanctuary“ nochmal ein Stück höhergeschraubt. Hängt das damit zusammen, dass das diese historischen Ereignisse, von denen ihr auf der Platte berichtet, besser unterstreicht oder war euch rein musikalisch einfach der Sinn danach, das Ganze noch zu verstärken?
Das Konzept wurde von uns nicht nur auf die Lyrics beschränkt. Wir wollten das Album ähnlich einem Film oder einem Musical komplett stimmig gestalten und sowohl Lyrics als auch Artworks, Bandfotos oder eben diesen Hollywood Blockbuster Sound spiegeln dieses Vorhaben wider. Wir denken eben immer an Filme wie Herr der Ringe, Fluch der Karibik, Der Sternwanderer, Battlestar Galactica und Konsorten. Außerdem haben wir versucht das zu verstärken, worin wir gut sind und alle Schwachpunkte unserer bisherigen Alben ausmerzen.
Mit 67 Minuten hat das Album eine mehr als nur ordentliche Spielzeit. Habt ihr keine Angst, dass das eure Fans eventuell überfordern könnte oder glaubt ihr, dass sich das eher positiv auswirken wird? Letztlich bleiben zwischen Intros und Midtros ja 12 Songs, die fast die kompletten 67 Minuten tragen.
Unsere Songs waren noch nie kurz – eher lang und dennoch knackig! Eigentlich sollten es ja auch nur 10 Songs werden. Dann brauchten wir einen Bonustrack für die LTD, einen weiteren für Japan. Am Ende sind es eben 12 Songs geworden plus Japan Bonustrack. Natürlich hoffen wir, dass die Fans merken, dass dieses Album mehr bietet als der Großteil anderer Alben am Markt. Wir haben aber aus bisherigen Reviews und von Freunden auch mitbekommen, dass die Songs für sie etwas kompliziert sind. Diese Meinung kann ich eigentlich nicht teilen da wir stets darauf bedacht sind die Songs bei allen Finessen eingängig und sehr melodiös zu halten! Alles in allem finden wir, dass „Death & Legacy“ schon ein kleiner Meilenstein für SERENITY ist. Inwieweit es die Fans so sehen werden wir in den nächsten Wochen und Monaten feststellen. Schlusswort lautet somit „Value for money“!
Ihr werdet Delain tourtechnisch unterstützen und so tut sich natürlich die Frage auf, ob Charlotte dann eventuell für ein Duett bereit stehen würde? Damit beziehe ich mich nicht nur auf „Serenade of Flames“, da sie mit Sicherheit auch den Part bei „The Chevalier“ sehr gut erfüllen könnte.
Charlotte wird mit ziemlicher Sicherheit „Serenade of Flames“ mit uns performen. Aber das ist dann auch schon der einzige Gastauftritt, schließlich spielen Sie danach ja gleich ihre Headlinershow – so etwas ist schon sehr anstrengend. Vor allem für Sänger/innen und bei einem Schnitt von 6 Konzerten je Woche über einen Zeitraum von einem Monat. Für den Rest der Songs mit weiblichem Gesang werden wir ziemlich sicher eine Sängerin mitnehmen. Aber daran arbeiten wir gerade…
Mit „Death & Legacy“ legt ihr nun euer bereits 3. Studioalbum ab. Was zieht ihr nach all den Jahren für ein Fazit?
Dass es extrem schwierig ist eine Band aufzubauen und dass der Musikmarkt nicht mehr das ist was er einmal war!!! Das ist leider die traurige Wahrheit. Aber aufgeben gibt es in unserem Wortschatz nicht und wir haben nach 3 Alben schon so viel erreicht wovon andere nur träumen können. Somit werden wir auch in Zukunft einen Schritt nach dem anderen bewältigen und als Band hoffentlich stetig wachsen. Eine bekannte Zeichentrickserie besagt: „Was werden wir morgen machen?“ – „Das gleiche was wir jeden Tag machen – die Weltherrschaft an uns reißen!“ 

Wie hat sich die Arbeit mit Ailyn von Sirenia gestaltet, was den Videodreh zu „The Chevalier“ angeht?
Aylin hat uns 2x hier in Österreich besucht. Erst für die Songaufnahmen, im Dezember letzen Jahres dann für die Dreharbeiten an „The Chevalier“. Aylin ist wirklich sehr sehr sehr nett und total unkompliziert. Das hat uns echt begeistert, da – naja – sagen wir mal es gibt Sänger/innen die nicht so locker und einfach sind. Die Drehtage fanden in sehr familiärem Ambiente in Tirol statt. Also war lediglich die Band und ein paar Freunde mit von der Partie. Es hat wirklich Spaß gemacht und wir konnten auch privat bei einem schönen Essen etwas plaudern und ein wenig Zeit verbringen. Ailyn schneidert auch ihre Kleider selbst – was die Arbeit für uns noch mal leichter gemacht hatte. Naja… wir hatten auch genug mit den Vorbereitungen, dem Drehbuch und der Organisation zu tun!!!
Wie weit geht euer historisches Interesse denn allgemein, jetzt wo ihr bei den Aufnahmen zum neuen Album in der Hinsicht so viel zu verarbeiten hattet?
Wie bereits erwähnt ist Georg studierter Historiker und arbeitet auch als solcher an der Universität Innsbruck. Mario und ich sind generell sehr interessiert – sei es Geschichte, Technik, oder was auch immer. Wir borgen uns bei Georg auch immer wieder Bücher über diverse geschichtliche Themen. Das geht schon seit Jahren so dahin. Wir planen auch schon fürs nächste Album und das Konzept wird vorerst mal beibehalten. Sogar unser Bühnenstyling und Back- sowie Sidedrops als auch diverse Utensilien spiegeln das Konzept wider.
Was glaubt ihr selbst, macht rein musikalisch den Unterschied zu „Fallen Sanctuary“ aus und warum glaubt ihr, präsentiert es sich noch stärker, als es sein Vorgänger bereits tat?
Der größte Pluspunkt für mich ist die Tatsache, dass es bei allen 12 Songs keinen einzigen Ausfall gibt. Jeder Song ist für sich einzigartig und absolut genial (meine bescheidene Meinung). Wir haben das Songwriting und auch unsere Studio Leistungen dramatisch verbessert. Man lernt eben dazu… Diverse Elemente unserer beiden ersten Alben wurden drastisch eliminiert. Z.B. Growls oder ultramoderne Synthie Sounds. Das wollten wir nicht mehr, das Konzept verlangt es auch nicht mehr und wir wollten auch anders klingen als die 10.000ste Prog-Metal Band!!! Natürlich gibt es auch unzählige Symphonic Metal Bands, aber ich denke wir haben es geschafft komplett einzigartig zu bleiben. Auch wenn man immer wieder mit Kamelot, Sonata Arctica und Co verglichen wird (was wir übrigens als Kompliment auffassen) – als „Newcomer“ wird man eben immer mit Szenegrößen verglichen.
Die Arbeit am neuen Album hat länger gedauert, als es eigentlich geplant war. Wie kam das zustande?
Zum einen mussten 2 Songs mehr kreiert werden, dann waren wir auf Termine von z.B. unseren Produzenten und Technikern angewiesen, wir wollten alle Songs perfekt ausarbeiten, unser Bassist Simon hat während der Aufnahmen die Band verlassen (ich musste den Bass somit selbst erlernen und einspielen), die Aufnahmen und Arrangements wurden umfangreicher, etc. etc. Wir planen bereits jetzt das Vorgehen zum nächsten Album, wie schnell wir aber nachschießen können wird aber massiv von unseren diesjährigen Touraktivitäten abhängen. Und davon gibt es vermutlich reichlich!!
Zum Schluss möchte ich mich recht herzlich für das Interview bedanken und wünsche euch viel Erfolg mit dem neuen Album und natürlich viel Spaß auf der anstehenden Tour. Ich werde mit Sicherheit mal vorbeischauen!
Wir freuen uns schon… Und ebenfalls Danke für das Interview!!

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